...aber schwul bin ich immer noch.
Sorry

Der Begriff „Konversionstherapie“ oder auch „Reparativtherapie“ bezeichnet eine Gruppe umstrittener Methoden der Psychotherapie, welche die Abnahme homosexueller Anziehungen und die Entwicklung heterosexueller Potenziale zum Ziel haben. Diese Therapien werde größtenteils innerhalb eines evangelikal geprägten Milieus praktiziert und angeboten. Alle führenden internationalen psychiatrischen und psychologischen Fachgesellschaften lehnen solche Behandlungsversuche ab, da sie im Widerspruch zu den heute in Psychiatrie und Psychologie etablierten Auffassungen von Homosexualität stehen.

Trotzdem gibt es auch in der Schweiz mehrere Organisationen, wie etwa „Wuestenstrom“ unter Rolf Rietmann oder „Torrents de Vie“, welche von sich behaupten selber „Heilungen“ erfahren zu haben und daher ein entsprechendes Therapieangebot, bzw. Beratungen und Seelsorge anbieten. 

Solche Organisationen haben dem gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahrzehnte eisern die Stirn geboten und verstecken sich heute hinter einer vermeintlich libertären Rhetorik, laut derer zwar jeder Mensch seine Sexualität leben, aber eben auch verändern darf. Inwiefern bei der Nutzung eines solchen Angebotes von einer „freiwilligen Entscheidung“ des Individuums ausgegangen werden kann, wird innerhalb dieser Arbeit genauer beleuchtet. Zudem soll der gesellschaftliche sowie geschichtliche Hintergrund solcher Therapien, die einzelnen Organisationen, sowie die aktuelle Situation vermittelt werden.
Zentral ist die Fragestellung, warum und in welchem Ausmaß solche Angebote heute überhaupt noch existieren und genutzt werden. Um dieses Spannungsfeld möglichst breit zu beleuchten, werden die theoretischen Ausführungen durch Interviewpassagen flankiert. Diese beinhalten persönliche Erfahrungsberichte, sowie Stimmen aus der Politik und Einschätzungen von Expert*innen.



Schriftliche Bachelorarbeit 2021

80 Seiten